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als wär es hier mehr/ meer

als wär es hier mehr/ meer,
kopft der schädel ins knirschkissen.

als wär es hier mehr/ meer,
verwehen die hochgebirgsfahnen.

als wär es hier mehr/ meer,
gewangtes ich auf dem kissen.
Am Ende

Ahnungsloses
Auffinden von Atemlosigkeit

Und
Im Nachgesang
Die Stimme fort
Getragen
Wundholz

Handständiges Lehnen am Fuß
des Schwesternbaumes, namenlos wie
unbekannt,
später Moosgeweih, einhirschig.
Wurzelhand liegt auf
Schwesternfuß, so
ein ausgedehntes
Hinschauen, gleichzeitig

kaum gesichtete
Wipfel rutschen mit
dem nächsten
Sturz der Sitzbeinhöcker
seitwärts.



Kunst_Texte

"Ich habe von einem Zirkus geträumt"
zu einer Fotografie von Anna M. (Auszug)


I
...er sitzt an seinem porenpolierten Schreibtisch und
versucht vergeblich, die zehn exakt gespitzten Bleistifte zu
sortieren. Einer gerät immer aus der Reihe, rollt oder
rutscht, gefährdet die schwebende Balance, eine
Schieflage dann und
...die Blauberge am Horizont.//
Er schwitzt.
Über der Oberlippe steht zart der plötzliche Film. Es rötet
sich seine Nasenspitze um je eine Nuance ins Dunklere
hinein, je zwingender der Versuch, die Bleistifte auf dem
Schreibtisch festpicken zu wollen.//
Er schaut aus dem Fenster.
Sie steht da immer noch, talaufwärts am Hang, steht und
beobachtet ihn. Immer wieder hat er den Blick senken
müssen, hoffen, dass sie endlich verschwunden sein möge,
beim nächsten unerlässlichen Lugen, pfeilschnelles
Verschmelzen mit dem Karamellkastell, weiß um das
Wogen der Auffaltungen in seinem Rücken, die lichten
Häufchen zu seinen Füßen.//
Sie ist fort.
Sie steht da nicht mehr, wo sie immer gestanden ist, ein
Schattenriss nun.
Und die Dämmerung ihm die Lichter bringt,
er aber sitzt im Dunkel.



Miniaturen

Im Traum oder
Die Lichter (Auszug)


Sie lächelt immer so freundlich wenn sie kommt. Sie ist dann plötzlich da. Steht in der Tür, lächelt, wünscht mir einen guten Morgen und sieht mich erwartungsvoll an, als wüsste ich, was nun kommen würde.
Ob sie mir beim Schuhe anziehen helfen solle. Da ich noch, wieso eigentlich, im Bett liege, muss das mit der Sitzposition oder kann ich mir eigentlich nicht, kann ich mir doch die Schuhe auch, da ist ja auch einer, an dem einen, also hier ist ein Schuh. Dass ich das lassen solle, bedeutet sie mir barsch und das es so nicht gehen würde. Sie lächelt nicht mehr. Plötzlich sitze ich, strecke die Beine weit von mir weg, fast als wären das da nicht meine und am untersten Ende baumelt halb links ein Latschen. Ich solle doch möglichst heute noch die Knie beugen und die Füße aufstellen am Boden, damit auch der andere Schuh. Nachdem sie meine Beine gefasst und dort unten hin geführt hatte, mit so einem Nachdruck überhalb der Beinmitte, da wo es sich knickt also, na ja, jetzt wo diese Dinger, alles auf dem Boden steht, weiß ich was sie meint. Nun geht das aber gleich weiter. Wenn ich nun aber diesen einen Fuß nicht sofort logischerweise vom Boden lösen würde, ich bin doch kein Storch, warum dreht sie jetzt die Augen, stimmt doch, es könnte jedenfalls nichts mit dem Schuhe anziehen und die Zeit würde rennen.
Wie spät ist es eigentlich und wo ist meine Uhr. Sie hebt nun mein Bein vom Boden, das kann ich doch auch alleine, ich bin doch kein Baby und schiebt mir energisch den Latschen von einem Fuß auf den anderen, also tauscht sie wieder aus, ja was denn nun und aufstehen solle ich dann endlich. Wenn ich nur wüsste was sie von mir will, ich muss doch erstmal, das hat doch alles einen Grund. Ich habe hier in der linken Hand so eine Art. Also feucht ist es, fast nass und gekrumpelt und ich habe es in der Hand. Das Bett ist an manchen Stellen nass. Bin wohl müde geworden über dieses Putzding. Das muss jetzt erledigt werden, deswegen bin ich doch aufgestanden, oder. Das passt mir jetzt aber gar nicht, das. Wieso denn in die Küche bringen, ich will doch, das ist, das ist doch mein Lappen, genau, natürlich mein Lappen und sofort will ich jetzt. Das macht doch alles gar keinen. Hoffentlich soll ich nun nicht wieder irgendwas, was ich gar nicht. Ich weiß einfach nicht, was sie von mir will. Aufstehen und so rumlaufen. Mache ich doch sowieso: aufstehen, rumlaufen und schauen was die anderen so machen. Draußen Stimmen von irgendwelchen Leuten, sagen:
Friedensschwester, wer ist das, die Andrea, wer ist Andrea. Na, die Ursel. Ach so, der D. kommt. Ihr Pfleger. Nein, mein Kollege. Also ihre Pflege, verstehe. Etwas lauter:
Nein, mein Kollege! Ach so. Na kann mir auch egal sein, kenne ich sowie nicht. Ich habe keine Pläne von ihnen, weiß nichts von ihren Plänen in ihren Köpfen.



Erzählung

Apparat

Apparat
DER APPARAT
I Der Raum (Auszug)

Seit mehr als einer Viertelstunde steht sie auf dem Platz und schaut dem Wasser beim Sprudeln zu. Langsam, ganz langsam windet es sich den Abfluss hoch, schraubt und schiebt sich nach oben in einer Weichheit und gleichzeitigen Unaufhaltsamkeit, dessen Ausmaß sie nur erahnen kann.
Der Teppich breitet sich immer weiter aus und sie kann nur weichen und dennoch versinken. Sie entscheidet sich für den ersten Schritt, rück, zwei, drei, vier und dreht sich um sich selbst, schlingt das Wasser in die Bewegung hinein, wird geschoben von diesem naturbedachten Raum, ebenfalls Teil des gesamten Gewebes. Pflückt dabei Gebäude auf, die sie noch nicht begriffen hat und die zu Staub zerfallen würden unter ihren Händen. Die Kulissen rücken ab vom Ort und von ihr, die Drehbühne bewegt sich auch ohne sie weiter. Noch bemerkt sie dies nicht. Unter der letzten Lichterflirrung der vielen, matt erleuchteten Fenster verzählt sie sich, kommt aus dem Takt, verfehlt die Zeit. Abrupt bleibt sie stehen, lässt den Raum um sich herumsäulen und wird für lange Zeit keinen festen Boden unter den Füßen verspüren und schwanken. Nun aber schreitet sie ihn ab, zunächst von den Außenrändern her: eins, zwei, drei, vier - es trägt sie, es treibt und spült sie fort, ihr bleiben nur mehr die Stege, die sich quer durch das Bild gelegt haben.
Der Schlag der Glocke tönt unvermittelt, fassungslos hält sie den Atem an. Erwartungsvoll hatte sie sich hier am Platz eingefunden, um diese Glocke schlagen zu hören, welche nach vier Takten wieder Atem holt zum nächsten Schlag.
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